Bitte keine neuen Ernährungsregeln fürs neue Jahr

Januar ist dieser Monat, in dem plötzlich alles besser werden soll. Gesünder essen. Struktur reinbringen. Routinen etablieren. Gerade mit Baby oder Kleinkind fühlt sich das oft doppelt so schwer an.

Ich höre dann Sätze wie:

„Ab jetzt kein Zucker mehr.“
„Jetzt ziehen wir richtig durch.“
„Dieses Jahr machen wir alles optimal.“

Und jedes Mal zuckt etwas in mir zusammen. Nicht, weil mir Ernährung egal wäre. Sondern weil ich weiß, wie schnell aus guten Vorsätzen Druck wird. Und Druck ist das Letzte, was Stillen, Beikost oder vegane Familienernährung brauchen.

Ordnung im Kopf statt neue Vorsätze Notizbuch 2026

Warum Vorsätze oft mehr Stress als Orientierung bringen

Vorsätze klingen erstmal nach Motivation. In der Realität erlebe ich aber oft das Gegenteil.

Wenn Du Dir vornimmst, alles „richtig“ zu machen, entsteht schnell ein inneres Bewertungssystem. Jeder Stillabbruch, jedes Glas Babybrei, jedes Stück Weißbrot fühlt sich dann wie ein Rückschritt an.

Ich habe das selbst erlebt. Nicht nur einmal. Nicht nur bei mir.

Bei meinem dritten Kind war ich überzeugt, jetzt alles im Griff zu haben. Erfahrung, Wissen, Routine. Und trotzdem saß ich abends da und habe mir ausgerechnet, ob das jetzt genug Eisen war. Ob diese Mahlzeit schon „zählt“. Ob ich schneller hätte reagieren müssen.

Das Problem war nicht das Wissen. Das Problem war mein Anspruch.

Beobachten statt optimieren: was wirklich hilft

Was ich heute anders mache und Eltern auch weitergebe: erst beobachten, dann handeln.

Wie trinkt Dein Baby wirklich?
Wie isst es, wenn niemand mitrechnet?
Welche Lebensmittel kommen von selbst gut an und welche nicht?

Ein konkretes Beispiel aus meinem Alltag:

Ein Kind von mir hat monatelang Hülsenfrüchte komplett verweigert. Ich hätte täglich neue Rezepte testen können. Habe ich aber nicht. Stattdessen habe ich geschaut, wo wir Eisen und Proteine anders sinnvoll unterbringen können. Angereicherte Produkte, gezielte Kombinationen, Supplemente, wo nötig.

Nicht perfekt. Aber passend. Und vor allem klar mit dem Wissen, es wird auch wieder anders werden.

Optimierung fragt: „Wie mache ich es ideal?“
Beobachtung fragt: „Was braucht dieses Kind gerade wirklich?“

Stillen, Beikost und vegane Ernährung brauchen Zeit

Eines der größten Missverständnisse rund um Beikost ist die Idee von Deadlines.

Mit 6 Monaten muss…
Mit 8 Monaten sollte…
Mit 12 Monaten darf nicht mehr…

Ja, es gibt Empfehlungen. Die sind wichtig. Aber sie sind kein Countdown, keine starre Zahl

Ich habe sechs Kinder. Kein einziges davon ist identisch in die Beikost gestartet. Manche waren früh interessiert, andere deutlich später. Manche haben schnell größere Mengen gegessen, andere fast ausschließlich gestillt.

Was sie alle gebraucht haben: Zeit. Und Gelassenheit.

Gerade in der veganen Ernährung sehe ich oft, dass Eltern zu früh Druck aufbauen. Aus Angst, etwas zu verpassen. Aus Angst vor Mängeln. Diese Angst ist verständlich. Aber sie wird nicht kleiner durch strenge Regeln. Sondern durch Wissen und Begleitung.

Ordnung im Kopf schlägt jede To-do-Liste

Ordnung im Kopf bedeutet für mich:

– zu wissen, welche Nährstoffe wirklich kritisch sind
– zu akzeptieren, dass nicht jede Mahlzeit ausgewogen sein muss
– Prioritäten zu setzen statt alles gleichzeitig zu wollen

Eine Banane ist kein Eisenlieferant. Und trotzdem kein Problem.
Ein Brot mit Hummus ist kein vollständiges Wunder. Aber ein sinnvoller Baustein.

Wenn Du das einordnen kannst, entsteht Ruhe. Und aus Ruhe entsteht Alltagstauglichkeit.

Einladung zur Reflexion statt neuer Vorsätze

Vielleicht ist dieser Januar nicht der Moment für neue Regeln. Sondern für ehrliche Fragen.

  • Was läuft eigentlich schon gut?
  • Wo hast Du ein ungutes Gefühl und warum?
  • Was würdest Du gern verstehen, statt es nur „richtig“ zu machen?

Genau hier beginnt Veränderung, die bleibt. Denn wir wollen die Veränderung ja nicht nur im Januar, sondern für die gesamte Zeit

Begleitet statt allein starten

Wenn Du merkst, dass Dich das Thema Beikost innerlich mehr beschäftigt, als Du zugeben willst, dann bist Du damit nicht allein.

In meiner 4-Wochen-Beikostbegleitung geht es nicht um starre Pläne. Sondern um Orientierung, Sicherheit und realistischen Alltag. Damit Du 2026 nicht mit neuen Vorsätzen startest, sondern mit Klarheit.