Wir wollten schon lange nach Ägypten. Eigentlich seit Jahren. Aber die Kinder waren zu klein und wir haben es immer wieder aufgeschoben. Ich selbst war vor über 20 Jahren schon einmal dort und diese Reise hatte sich tief eingebrannt. Die Pyramiden, die Geschichte, das Meer. Und ich wollte unbedingt, dass meine Kinder das auch erleben können. Besonders mein Sohn hatte sich Ägypten sehr gewünscht. Schnorcheln, alte Bauwerke anschauen, Geschichte anfassen. Wir hatten irgendwann vereinbart: Sobald die Jüngste alt genug ist, machen wir das. Jetzt ist sie vier. Also alt genug.
Im Dezember haben wir dann spontan geschaut, ob wir im Februar oder März fliegen könnten. Das wäre zeitlich für meinen Mann am besten gewesen. Aber die Preise waren deutlich höher als noch vor Weihnachten. Also haben wir kurzfristig entschieden, direkt vor Weihnachten für zwei Wochen zu fliegen. Allerdings ohne meinen Mann. Eine Tochter wollte auch bewusst nicht mit. Also war ich mit vier Kindern unterwegs. Und das war auch fein so, weil es ihre eigene Entscheidung war. Für mich war es allerdings schon etwas komisch. Die erste größere Reise alleine mit den Kindern.
Geplant waren zwei Wochen: Start in Gizeh, dann Hurghada und zum Abschluss Kairo. Die günstigen Flüge gingen von Berlin, also begann alles mit einer Zugfahrt dorthin. Die war… anstrengend. Die Kleinen waren zum Schluss ziemlich durch, wir mussten einmal rennen, haben den Anschlusszug dann trotzdem verpasst. Zum Glück hatten wir genug Zeit eingeplant. Die Kontrollen und der Flug selbst liefen dann völlig problemlos. War ja auch nicht unser erster Flug. Fernsehen, Essen, alles entspannt. Und so waren wir irgendwann in Kairo.
Gizeh: Pyramiden, Verkaufsdruck und erste Überforderung
Am Flughafen wurden wir direkt angesprochen. „Touristen Service. Sicheres Taxi“, Zettel, Angebote, weitere Touren. Sehr aufdringlich, sehr unangenehm. Wir wollten erst Preise wissen, sind ein Stück mitgelaufen, haben dann aber gemerkt: Nee. Das wollen wir nicht. Ich habe noch Geld abgehoben, weil Bargeld einfach wichtig ist, und draußen ging es dann richtig los. Zehn Leute gleichzeitig: Taxi, Taxi, Taxi. Alles private Fahrer, keine mit Taxameter. Ich hatte ein Angebot von unserer Unterkunft für 30 Dollar im Kopf und habe das als Orientierung genommen. Wir haben mit mehreren Fahrern gesprochen, aus Ausschau nach “echten” Taxis gehalten. Problem war, wir hatten noch kein Internet für Uber oder ähnliches.. Ich habe mich dann mit meinem großen Sohn besprochen und entschieden, wir wollen jetzt in die Unterkunft und nicht noch ewig nach einem Taxi suchen. Am Ende haben wir einen Transfer für etwa 20–25 Dollar genommen und sind zu unserer Unterkunft in Gizeh mit Blick auf die Pyramiden gefahren.
Angekommen sind wir sehr freundlich empfangen worden. Erstmal ins Zimmer kurz frisch machen. Dann sind wir mit dem Besitzer auf die Dachterrasse alles besprechen. Er hat uns dann auch noch Touren angeboten, aber auch Tipps gegeben, nachdem wir gesagt haben, wir machen viel auf eigene Faust. Danach gings ins Bett. So ein Reisetag ist doch anstrengend
Am nächsten Tag wollten wir direkt zu den Pyramiden. Erstmal Frühstück im Hotel. Wir hatten Glück und es gab auch einiges veganes: Bohnenmus (Ful), Brot, Aubergine, Pommes und ägyptische Falafel. Proteinreich, sättigend. Für Nicht-Veganer hätte es noch etwas mehr gegeben, aber auch so war es für die nächsten Tage absolut ausreichend. Dann sind wir zu Fuß losgelaufen.
Und dieser Weg war… next level. Permanentes Ansprechen, sehr penetrant. Einer hat uns in einen Souvenirladen gelotst, wollte uns unbedingt „nur zeigen“, hat sich gar nicht mehr abwimmeln lassen. Theoretisch weiß man: Nein sagen. Praktisch ist man mit vier Kindern einfach schnell überfordert. Dann kam das nächste Ding: Er meinte, wir könnten hier nicht weiterlaufen, müssten Tuk-Tuk fahren, er bezahlt. Ich habe extra nachgefragt. „You pay?“ – „Yes, I pay.“ Im Tuk-Tuk dann plötzlich: halbe-halbe. Da bin ich ausgestiegen. Habe dem Fahrer etwas Geld gegeben und wir sind weiter. Es hat gereicht.
Der Rest des Weges war auch gesäumt von Verkaufsangeboten. Anstrengend. Aber dann standen wir da. Vor den Pyramiden. Wir haben Tickets für den Außenbereich gekauft. Ich wollte die Kinder nicht gleich überfordern. Innenbesichtigungen hatten wir später noch geplant. Wir sind herumgelaufen, haben gestaunt. Diese Bauwerke sind einfach Wahnsinn. Gleichzeitig war es schwer auszuhalten, zu sehen, wie Pferde und Kamele dort behandelt werden. Wir haben konsequent Nein gesagt zu allen Reitangeboten.

Danach wollten wir essen. Zwei Restaurants über Happy Cow rausgesucht. Das erste war sehr voll und die Karte nur auf Arabisch. Mit Kindern wollte ich nicht rätseln. Also weiter. Im zweiten gab es Koshari. Reis, Nudeln, Linsen, Kichererbsen, Röstzwiebeln, Tomatensauce, dazu Knoblauchessig und scharfe Sauce. Ich habe Koshari gegessen, die Kinder Pommes und Falafel-Sandwiches. Sehr lecker. Danach waren wir einfach fertig. Zurück ins Hotel, Pause. Abends haben wir im Hotel nochmal Koshari und Pommes gegessen.
Alltag in Gizeh: Essen, Pausen und Magen-Darm
Am zweiten Tag war Pause angesagt. Eine Tochter hatte Magen-Darm, musste sich übergeben. Ob Essen, Umstellung, Stress oder Wetter war? Keine Ahnung. Wir sind im Hotel geblieben, etwas spielen auf der Dachterrasse, viel Ruhe. Mittags bin ich mit den anderen kurz zu einem Sandwich-Laden gelaufen. Diesmal entspannter, wir kannten ja jetzt die Wege und Engstellen. Im Restaurant angekommen wurden wir von einem sehr netten Besitzer begrüßt und an den Platz geführt. Wir haben uns für das Falafel Sandwich entschieden. Tolles Essen, 1,5 Falafel Brötchen, Gurke und Tomate, Chips, eine Orange und eine Fasche Wasser. Wieder zurück, Spielen und Planen, denn es gab ja noch mehr Ausflugsziele. Abends gab es dann wieder Koshari und Pommes im Restaurant. Wir sind dann relativ früh schlafen gegangen. Wir waren insgesamt jeden Abend sehr früh müde.
Saqqara: Die Stufenpyramide als Kontrastprogramm
Am dritten Tag wollten wir nach Saqqara zur Stufenpyramide von Djoser. Uber war schwierig, weil die Fahrer nicht nur hinfahren wollten ohne Rückfahrt. Am Ende haben wir mit einem jungen Fahrer einen Tagespreis ausgehandelt, etwa 25–28 Euro. Er hat uns gefahren, gewartet, Fotos gemacht. Ohne Stress oder Hektik. Wir hatten an jedem Stopp soviel Zeit wie wir wollten Auf dem Rückweg nach Gizeh hat er an einem Fruchtstand gehalten und für uns zu lokalen Preisen Mandarinen und Bananen gekauft. Das war Gold wert. Danach hat er uns wieder zum Falafel-Restaurant gebracht. Es war wieder sehr lecker, Dann zurück ins Hotel vorbei an den wartenden Pferden die sehr viele Verletzungen an den Beinen und am Rücken haben. Für den letzten nachmittags haben wir nichts großes geplant, einfach etwas spielen und packen. Abends gab es wieder Essen im Restaurant. Lecker und günstig und man muss nicht weit laufen.

Hurghada: Ankommen, Ausruhen und neu sortieren
Am nächsten Tag ging es weiter nach Hurghada. Die Bustickets hatte ich vorab online gebucht. Früh ausgecheckt, Uber zur Busstation, dann knapp sieben Stunden Fahrt mit Pause. Leider hatten in der Nacht zwei weitere Kinder mit Erbrechen begonnen. Wir haben die erste Kotztüte schon im Uber gebraucht. Im Bus haben sie viel geschlafen, zwischendurch gespuckt. Aber alle um uns rum, waren total nett und verständnisvoll. Es war anstrengend, weil es ihnen so schlecht ging. In Hurghada angekommen, ging es einem Kind durch das viele schlafen schon besser, das andere hing noch durch. Wir sind zu Fuß zum Apartment gelaufen und haben uns erstmal nur ausgeruht. Fürs Abendessen bin ich mit dem großen Sohn erstmal durch die Gegend gelaufen um etwas zu finden. Aber es gab tatsächlich wenig typisch ägyptisches Essen. Kein Koshari oder Falafel in direkter Umgebung. Ist wohl nicht das Essen, was für die Touristen interessant ist. Also haben wir in einem Restauran Reis, Pommes und Gemüse in Tomatensoße gekauft. Das war auch gut essbar für die kranken Kinder.
Für den nächsten Tag wollten wir es bewusst ruhig angehen lassen. Nach den vielen Eindrücken zuvor brauchten wir alle ein bisschen Leerlauf. Wir sind zu Fuß zu einem Einkaufszentrum gelaufen, ganz ohne großes Ziel, einfach um noch ein paar Dinge einzukaufen. Wir hatten ja ein Apartment mit Küche, was für mich Gold wert ist, weil ich so auch selbst kochen konnte. Besonders gut, nachdem es so wenig gute Restaurants in der Nähe gab. Nach dem Einkauf haben wir alles nach Hause gebracht, kurz etwas gegessen und dann für den Nachmittag den Strand eingeplant.
Wir sind zu einem öffentlichen Strand gelaufen, der sich Family Beach 2 nannte. Der Eintritt hat gekostet, 20 Pfund für mich und den Ältesten, und für die drei Kleinen jeweils fünf Pfund. Also ca. 1 EUR für uns alle zusammen. Es war ein Strand mit überwiegend Steinen, nur direkt am Wasser ein bisschen Sand. Nicht mein Traumstrand, aber okay. Mir persönlich war das Wasser ehrlich gesagt zu kalt, aber die Kinder hatten Spaß. Sie sind ins Wasser gegangen, haben gespielt, fanden es gut. Die Jüngste war nur kurz drin, ihr war es dann schnell auch zu kalt. Wir waren insgesamt auch nicht besonders lange dort, weil irgendwann der Wind aufkam und es ziemlich frisch wurde. Also ging es wieder zurück..
Auf dem Rückweg habe ich ein Reisebüro gesehen und bin spontan rein. Wir wollten ja noch zwei Ausflüge machen, also habe ich nachgefragt und direkt gebucht. Einen Schnorchelausflug für 30 Euro pro Person und einen Ausflug nach Luxor mit dem Tal der Könige für 65 Euro pro Person. Bei der Luxor Tour waren noch weitere Programmpunkte dabei. Der Plan war dann klar: Am nächsten Tag der Schnorchelausflug, am Tag darauf Luxor. Danach wollten wir bewusst etwas Luft lassen, Pause machen und uns sammeln, bevor es wieder zurück nach Kairo gehen sollte.
Schnorcheln im Roten Meer – eines der Highlights der Reise
Der Schnorchelausflug war wunderschön. Mit dem Minibus zum Hafen. Dann aufs Boot und Einweisung, die schon vor dem Start anfing, da es sehr windig war. Ich hatte schon bedenken, ob wir so überhaupt gescheit schnorcheln gehen können. Erster Stopp sollte das “Dolphin House” sein. Delfine beobachten und die geübten Schwimmer dürfen auch ins Wasser. Allerdings waren leider keine Delfine dort. Also direkt weiter zum Schnorcheln am Riff. Schnorchel und Schwimmwesten für die Kinder für den großen und mich Flossen und Schnorchel. Wir haben dann noch einen Rettungsring mit ins Wasser bekommen, den ein Guide gezogen hat und die Kinder sich dran festhalten konnten. Die jüngste war nur kurz mit im Wasser und wollte dann wieder raus. Ihr war es zu kalt. Aber es war ok für sie alleine auf dem Boot zu warten. Also ist sie mit einem Guide zurück zum Schiff geschwommen und hat dann dort gewartet. Die Kinder waren begeistert und haben bei jedem Fisch gerufen. Wir hatten zwar so Schutzhüllen fürs Handy dabei, haben aber bewusst auf die Handys verzichtet und wollten nur schwimmen und schauen. Auf der weiteren Fahrt haben wir dann doch noch Delfine gesehen. Am nächsten Schnorchelspot gab es erst Mittagessen an Bord. Vegane Optionen waren Reis, Kartoffeln, Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Zum Abschluss noch Obst. Das Schnorcheln war diesmal etwas anstrengender, denn es war welliger und man wurde ständig Richtung Riff getrieben.Aber wir haben einen Rochen gesehen. Dann ging es auch zurück zum Hafen und wir sind mit dem Minibus wieder zum Treffpunkt gefahren worden. Abends nur noch gekocht und früh ins Bett, denn Luxor stand an.


Luxor: Großartige Geschichte, schlechte Organisation
Um 2:30 Uhr aufstehen, 3:15 Uhr Treffpunkt. Der Bus war voll und die Jüngste hatte keinen eigenen Sitz. Dafür musste ich natürlich auch nicht für sie bezahlen. Sie saß auf meinem Schoß und wollte schlafen. Nicht ideal, aber machbar. Also für sie, ich konnte so nicht schlafen. Kurz vor Luxor ist dann der deutschsprachige Guide eingestiegen. Erster Stopp: Karnak-Tempel. Wir haben erst etwas allgemeines zum Tempel erzählt bekommen und dann direkt das erste Verkaufs-Add-ons. Eine Nilfahrt. Ich war irritiert, weil bei der Buchung auch von einer Nilfahrt die Rede war, die im Paket dabei ist. War aber nicht. Die Kinder wollten unbedingt. Also haben wir sie gebucht. Rückblickend: Kann man machen, muss man nicht. Laut durch Musik auf dem Boot, verwirrend organisiert, aber schöne Eindrücke auf dem Nil. Später habe ich erfahren, dass die Nilfahrt, die inklusive war, eine Überfahrt von Ost nach West war. Denn auf der anderen Seite gab es das Mittagessen.

Dann kam das Thema Tal der Könige vs. Tal der Königinnen auf. Gebucht war offenbar das Tal der Königinnen, obwohl klar vom Tal der Könige gesprochen wurde. Nicht nur ich war mir da zu 100% sicher, auch die Kinder hatten es von mir und dem Verkäufer klar so gehört. Dieser hatte aber dann am Telefon (WhatsApp zur Klärung) gesagt, dass es klar gewesen wäre und die Tour mit dem Tal der Könige ja auch 20 Dollar teurer pro Person wäre. Ich war echt sauer, denn den Luxorausflug haben wir hauptsächlich wegen dem Tal der Könige geplant. Vor Ort konnte ich es dann noch klären, und gegen Zahlung des Differenzbetrags zum Eintritt wurden wir auf die Liste für das Tal der Könige gesetzt. Gut, dass ich die Preise vorher recherchiert hatte. Denn das waren bei Weitem keine 20 Dollar pro Person. Mittagessen war dann wieder Buffet. Es gab Reis, Nudeln mit Tomatensoße, Baba Ganoush, Brokkoli und etwas Brot. Nach dem Essen wurde dann das Programm ziemlich stressig. Memnon-Kolosse (5 Minuten Fotostopp), Alabaster-Verkaufsstelle mit Show, Geschenke, Trinkgelddruck. Matteo hätte gerne länger zugeschaut, aber es ging nur ums Abhaken. Die Show war fast schon peinlich. Aufgeteilt nach unserer Herkunft (deutschsprachig, englischsprachig und türkisch) wurden wir vor die Arbieter gestellt, die dann gesunden und getrommelt haben und dabei kurz gezeigt haben wie sie arbeiten. Zurück in den Bus und zum Hatschepsut-Tempel. Zum Eingang mit den Golfcars fahren, dann hoch, kurz rein und wieder zurück. 30 Minuten Zeit, dann sollten wir wieder am Bus sein. Dann endlich Tal der Könige. Es wurde direkt gesagt, wir haben keine Zeit müssen in 45 Minuten wieder raus sein. Eintrittskarten wurden wieder eingesammelt, damit sie an den Gräbern abgestempelt werden konnten. Der Guide hat auch behauptet, man dürfe gar nicht mehr alleine durchlaufen. Nur geführte Touren. Absoluter Quatsch. Es waren wohl eine bestimmte Anzahl Gräber im Preis inklusive, den Rest hätte man extra zahlen müssen. Für uns hat er gesagt sind es 2. Nach dem 2. Grab, hat er uns aber noch schnell zum 3. geführt und wir durften nochmal schnell durch rennen. Es war total schade, denn dieser Ort ist so besonders, da will man nicht nur schnell schnell durchgescheucht werden. Nach den 3 Gräbern ging es zurück in den Bus. Es wurde noch etwas Stress gemacht, weil wir ja bis um 17 Uhr aus Luxor raus müssten, sonst ist die Straße nach Hurghada gesperrt und wir müssen auf eigene Kosten ein Hotel nehmen. So ist es natürlich nicht, und es werden keine ganzen Straßen gesperrt. Die Rückfahrt war wieder etwas anstrengend, da ich ja mir wieder den Platz mit der jüngsten teilen musste. Irgendwann ist sie dann auch eingeschlafen und ich konnte mich auch etwas ausruhen.

Unser Fazit: Beeindruckend, aber Pauschalausflüge sind nichts mehr für uns. Zu eng, zu getaktet. Wenn nochmal Luxor, dann individuell.
Nächster Tag war als Pause Tag geplant. Wir waren eigentlich den ganzen Tag im Appartement. Zum Abend mussten aber alle nochmal etwas raus und wir haben uns ein Koshari Restaurant in der Stadt rausgesucht zu dem wir gelaufen sind. Ca. 2 km. War sehr lecker, aber viel zu viel. Wir haben uns dann die Reste einpacken lassen. Auf dem Rückweg sind wir am Hafen entlang. Etwas längerer Weg, aber angenehmer als durch die dunklen Gassen. Für den letzten Tag war nochmal Strand nach dem Mittagessen angesagt. Ich habe diesmal direkt gesagt, dass ich nicht ins Wasser gehe und der Älteste wollte auch nicht mehr ins Wasser. Wir haben dann gemütlich am Strand gesessen, während die Kleinen im Wasser waren und am Strand gespielt haben. Nach dem Abendessen haben wir noch gepackt und sind wieder relativ früh schlafen gegangen. Am nächsten Tag ging es um 7 Uhr mit dem Uber zur Busstation. Den Bus hatte ich wieder im Internet gebucht und dann sind wir um 8 Uhr Richtung Kairo aufgebrochen.
Zurück nach Kairo: Umziehen, Ankommen, Durchatmen
Die Rückfahrt nach Kairo war dann deutlich anstrengender als die Hinfahrt. Diesmal waren die Kinder nämlich fit. Das heißt, niemand hat durchgeschlafen, alle wollten beschäftigt werden und leider waren zwischendurch auch noch ein paar Kopfhörer kaputt gegangen. Also mussten sich 3 Kinder einen Kopfhörer teilen, was in der Praxis einfach nervig ist und immer wieder neu organisiert werden musste. Es war anstrengend, keine Frage. Aber ich hatte diesmal wenigstens etwas zu essen dabei, auch ein paar Süßigkeiten für die besonders zähen Phasen, und so haben wir es dann irgendwie geschafft.
Als wir schon an der Stadtgrenze von Kairo waren, hat mir die Host von unserem Apartment geschrieben. Sie fragte, ob wir eventuell das Apartment wechseln möchten. Das, was wir ursprünglich gebucht hatten, lag etwas außerhalb, was mir von Anfang an klar war. Ich hatte bewusst nach Preis, Ausstattung und Familienfreundlichkeit ausgewählt. Jetzt meinte sie aber, sie hätte ein Apartment direkt in Downtown, ohne Aufpreis. Kürzere Wege, alles zentral, Restaurants direkt ums Eck. Sie schickte mir einen Link, die Adresse und fragte, ob wir das möchten.
Ich habe dann schnell bei HappyCow geschaut, ob es in der Gegend Restaurants mit veganen Optionen gibt, und tatsächlich war direkt etwas in der Nähe. Das hat die Entscheidung leichter gemacht. Also haben wir zugesagt. Als wir angekommen sind, mussten wir noch kurz warten, dann wurde geschaut, welches Zimmer wir bekommen. Wir waren alle ziemlich kaputt. Ich bin erstmal rein und habe dann relativ schnell gemerkt, dass da etwas nicht stimmte. Auf den Fotos war ein Apartment mit Balkon zu sehen, unsere Zimmer hatten keinen. Es sah insgesamt auch anders aus und passte für mich weder zu den Bildern noch zu den Bewertungen bei Booking.com.
Am Abend fragte mich die Host, ob alles in Ordnung sei. Ich habe ehrlich geantwortet: grundsätzlich ja, aber es ist nicht das Apartment mit Balkon, das sie mir gezeigt hatte. Daraufhin meinte sie, wir hätten ein Upgrade bekommen, das Apartment sei größer, dafür eben ohne Balkon. Ich habe gesagt, dass wir gerne das mit Balkon sehen würden. Am nächsten Tag könne jemand kommen und es uns zeigen, dann könnten wir entscheiden. Das fand ich fair.
Am nächsten Tag kam tatsächlich jemand vorbei und zeigte uns ein Apartment genau ein Stockwerk tiefer, im siebten statt im achten Stock. Das hatte einen Balkon, gefiel uns allen deutlich besser, auch wenn es ebenfalls nicht exakt dem entsprach, was auf den Bildern bei Booking.com zu sehen war. Aber es hatte ausreichend Platz, das Bad war besser, die Küche ebenfalls. Also haben wir entschieden, noch am selben Vormittag umzuziehen. Ein schneller Umzug vom achten in den siebten Stock, und dann war das neue Quartier bezogen.
Durch diesen ganzen Wechsel war unsere ursprüngliche Planung erstmal durcheinander. Eigentlich wollten wir an dem Tag ins Ägyptische Museum, aber das haben wir dann auf den nächsten Tag verschoben. Stattdessen haben wir bis mittags Pause gemacht. Danach sind wir zum Mittagessen los, haben anschließend einen Spaziergang zum Nil gemacht, sind über die Qasr El Nil Bridge gelaufen, ein Stück am Wasser entlang, und danach noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert. Kein großes Programm, einfach schauen, laufen, ankommen, entspannen.
Kairo intensiv: Museum, Altstadt und koptisches Viertel
Am nächsten Tag sind wir früh ins Ägyptische Museum gegangen. Auf dem Weg wollte uns wieder jemand weismachen, dass das Museum noch nicht geöffnet sei und wir anders laufen müssten. Zufällig an ein paar Basaren vorbei. Wir haben nur freundlich genickt, kurz gewartet und sind dann trotzdem rübergegangen. Natürlich hatte das Museum offen. An der Kasse sprach uns eine deutsche Frau an, deren Kartenzahlung nicht funktionierte. Sie fragte, ob wir für sie mitbezahlen könnten. Ich habe gesagt, sie soll mir das Geld in ägyptischen Pfund geben, dann zahle ich. Das hat problemlos geklappt. Im Nachgang habe ich mich gefragt, warum sie nicht bar bezahlt hat, aber es wird schon einen Grund gehabt haben.
Im Museum selbst war es etwas schade, weil wir genau in einer Übergangsphase dort waren. Ein Teil der Ausstellung war bereits ins neue Große Ägyptische Museum umgezogen, dort aber noch nicht vollständig aufgebaut. Viele Dinge waren schlecht beschriftet. Für die Kinder wurde es irgendwann langweilig, weil man nicht klar erkennen konnte, wo etwas besonders Interessantes ist. Man musste einfach durch die Räume laufen. Trotzdem haben wir uns fast alles angeschaut und waren in sehr vielen Räumen. Mumien waren für die Kinder natürlich spannend, aber insgesamt war es viel und irgendwann zu viel.

Am Ausgang ging es durch den Souvenirshop, wo sich die Kinder noch Kleinigkeiten ausgesucht haben. Danach sind wir zurück zum Apartment. Eigentlich wollte ich mittags selbst kochen, aber der Gasherd zündete nicht. Wir sind dann spontan essen gegangen und haben später dem Host Bescheid gesagt. Am Abend kam jemand vorbei und stellte fest, dass einfach nur der Stecker nicht eingesteckt war. Problem gelöst. Abends konnten wir dann selbst kochen und in Ruhe essen.
Am nächsten Tag ging es in die Altstadt von Kairo, ins koptische Viertel. Wir sind mit der Metro gefahren, was erstaunlich unkompliziert war, auch mit Kindern. Vor Ort war es etwas unübersichtlich, welche Wege man gehen darf. Wir haben zuerst die Hängende Kirche besucht, dann eine weitere Kirche. Zwischendurch standen wir plötzlich an einem Friedhof und kamen nicht weiter, obwohl Google Maps etwas anderes sagte. Dann haben wir entdeckt, dass es eine Ebene tiefer weiter geht. Dort lagen dann die eigentlichen Wege durch die Altstadt.
Wir haben uns die Kirche angeschaut, die über der Höhle gebaut wurde, in der die Heilige Familie sich drei Monate aufgehalten haben soll, inklusive des Brunnens, aus dem sie getrunken haben soll. Das war sehr beeindruckend. Danach hatten die Kinder großen Hunger. Ich hatte vorher ein Restaurant rausgesucht, direkt in der Altstadt, mit veganen Optionen. Es war etwas teurer, aber sehr lecker. Wir haben Falafel-Sandwiches mit Pommes gegessen und waren alle satt.

Am Nachmittag sind ich und die drei Kleinen noch zum Abdeen Palace Park gegangen. Der Eintritt lag bei fünf Pfund pro Person. Es sollte dort einen Spielplatz geben, der aber leider geschlossen war. Wir haben trotzdem Zeit dort verbracht, sind herumgelaufen, haben Katzen beobachtet (es gab wirklich sehr viele dort), die Kinder haben Fangen gespielt. Nach etwa anderthalb Stunden sind wir zurückgegangen.

Abends sind wir noch einmal in ein Koshari-Restaurant gegangen. Wir haben dort gegessen und uns zusätzlich Essen fürs Frühstück to go mitgenommen. Es war das beste Koshari Restaurant was wir bisher besucht hatten und neben Koshari gab es auch noch sehr leckere Linsensuppe im Brotlaib. Fürs Frühstück haben wir uns dann noch Koshari und Brot, das sie für uns gemacht haben, obwohl es eigentlich nicht auf der Karte stand mitgenommen.
Rückreise und unser Gesamtfazit
Am nächsten Morgen haben wir um sieben ausgecheckt und sind mit einem Uber zum Flughafen gefahren. Die Fahrt dauerte nur etwa 20 Minuten, viel schneller als erwartet. Am Flughafen hatten wir genug Zeit, keinen Stress beim Check-in oder bei den Sicherheitskontrollen. Wir haben gewartet, gespielt, Musik gehört. Der Rückflug war entspannt. Die Sitzplätze waren gut verteilt, niemand saß direkt vor uns. Die Kinder haben Filme geschaut.
In Berlin angekommen mussten wir noch etwas auf den Zug nach Hannover warten. Wir konnten mit dem Ticket schon zum Hauptbahnhof fahren, dort war es angenehmer. Es gab Einkaufsmöglichkeiten und einen Wartebereich. Wir haben noch etwas Bewegung gehabt, sind ein Stück Richtung Reichstag gelaufen, dann pünktlich in den ICE gestiegen. Wir hatten Glück und ein Kleinkindabteil bekommen, was es deutlich entspannter gemacht hat. In Hannover wurden wir abgeholt, haben uns auf dem Bahnsteig in die Arme geschlossen und sind abends gegen neun zu Hause angekommen. Ein langer Tag, aber insgesamt gut machbar.

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